
Unser heutiger Lifehack* gilt der Prokrastination (zu deutsch: Aufschieberitis). Über wenig ärgern sich vor allem Selbständige mehr als darüber, dass sie wichtige, aber oft lästige Aufgaben vor sich herschieben. Und so muss natürlich auch jeder anständige Artikel über Prokrastination damit beginnen, was die Autorin alles angestellt hat, um den Artikel vor sich her zu schieben:
Dringende Recherchen zum neuesten Windows11-Bildschirmhintergrund, --- scheinbar wichtige Arbeiten für Familie, Kollegen oder Freunde, --- Wohnung putzen (wer das prokrastiniert, bekommt hier Tipps: Putzen leicht gemacht: Clean As You Go), --- und natürlich sich auf dem Laufenden halten in Weltgeschichte, Geschichten-(Serien-)welt und den privaten Gechichten der Social Media --- das sind nur einige wenige Möglichkeiten für erfolgreiches Prokrastinieren.
Dabei liegt es meistens nicht daran, dass wir nicht wollen. Schon unsere Vorfahren wussten: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Es gibt da also einerseits in uns den Wunsch und die Motivation (Geist) etwas zu tun, andererseits ein gegenläufiges Bedürfnis, z.B. in Ruhe gelassen zu werden oder sich nicht anstrengen zu müssen (Fleisch). Noch allgemeiner gesprochen gibt es in uns eine innere Bewegung auf die selbstgesetzte Aufgabe zu und eine entgegengesetzte innere Bewegung von der Aufgabe weg (oft unter der englischen Bezeichnung „Approach-Avoidance-Conflict“ bekannt).
Dieser innere Konflikt legt unsere Entschlussfreude lahm und verhindert, dass wir aktiv werden. Das ist nicht nur ein psychologischer, sondern auch ein physiologischer Prozess, denn im Gehirn werden die jeweils passenden Netzwerke für „in Angriff nehmen“ oder für „zurückscheuen“ aktiv. Das sind die, die auch für Kampf und Flucht zuständig sind.
Egal warum, die Aufgabe, die wir uns vorgenommen haben, erscheint uns (meist unbewusst) wie ein Kampf. Und unsere älteren Hirnregionen assoziieren Kampf mit Gefahr und potenzieller Verletzung und schrecken – nachvollziehbarer Weise, wie ich finde – davor zurück.
Wie kommen wir nun aus der Nummer raus?
Der erste – und meines Erachtens sehr wichtige – Schritt besteht darin, sich den inneren Konflikt, in dem wir uns befinden, bewusst zu machen. Der zweite, ebenfalls sehr wichtige Schritt heißt, den Konflikt zu akzeptieren, also zu akzeptieren, dass irgendetwas in uns sich vor dem bevorstehenden „Kampf“ fürchtet. Akzeptieren heißt nicht: toll finden. Akzeptieren heißt nur: Verständnis zeigen, dass es in uns so vor sich geht, wie es das nun mal tut.
Bewusstmachen und Akzeptieren nimmt dem Konflikt ein Stück seiner Macht und fühlt sich gut an. Das ist die wichtigste Voraussetzung dafür, den unterschwelligen Antrieben etwas entgegensetzen zu können. Es setzt Energie frei für die nächsten Schritte.
Welche das sein können, erfahrt ihr in Kürze.
Kennst du das auch? Was hilft dir gegen das Aufschieben? Oder womit prokrastinierst du besonders oft und hartnäckig? Antworte hier oder schreib uns an [email protected], wir denken uns einen Lifehack für dich aus oder ziehen einen aus unserem reichen Fundus.
* Lifehack, was ist denn das? Der Hack an sich ist IT-Kundigen schon länger bekannt, das Wort bezeichnet eine schnelle, wenn auch unelegante Abkürzung beim Programmieren, die auch nicht unbedingt den Regeln guten Programmierens entspricht. Quasi ein schnell gehackter Weg durch den Bit- und Byte-Dschungel nach dem Motto: Egal wie, Hauptsache, es funktioniert (im Fachjargon auch "quick and dirty" genannt). Der Lifehack ist das gleiche für den praktischen und den (inner- oder zwischen-) menschlichen Alltag.
Bildquelle: Canva AI Image Generator